Wenn PsychotherapeutInnen die Qualitätssicherung selbst in die Hand nehmen

Grafik: Nadzeya Dzivakova/iStock
Im zweiten Teil der Online-Fortbildungsreihe „Fokus QS“ widmete sich Timo Harfst (Psychologischer Psychotherapeut, stellvertretender Geschäftsführer und wissenschaftlicher Referent der Bundespsychotherapeutenkammer) der Frage, wie eine fachlich fundierte und praxisgerechte Qualitätssicherung (QS) in der ambulanten und stationären Psychotherapie gestaltet werden kann.
Zu Beginn zeichnete er die Entwicklung des derzeit in Nordrhein-Westfalen eingesetzten QS-Verfahrens nach, das im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) entwickelt wurde. Aufbauend auf einer Analyse der erheblichen Kritikpunkte dieses Verfahrens erläuterte er die daraus resultierenden Herausforderungen und möglichen Auswirkungen auf die psychotherapeutische Versorgungspraxis.
Als Perspektive stellte Harfst verschiedene professionseigene QS-Systeme vor, die innerhalb der Psychotherapie entwickelt wurden und auf einer wissenschaftlich fundierten Grundlage beruhen. Er erläuterte die Anforderungen an qualitätsgesicherte Verfahren und gab einen Überblick über derzeit etablierte Systeme:
| QS-System | Therapieverfahren | Patientengruppe | Vorstellung bei „Fokus QS“ |
|---|---|---|---|
| QSP/QVA-Projekt | TP/AP (plus andere) | Erwachsene sowie Kinder/Jugendliche | 09.09.2026 |
| TN-Pro (TTN) | VT (plus andere) | Erwachsene sowie Kinder/Jugendliche | 25.11.2026 |
| Sysdok | ST | Erwachsene sowie Kinder/Jugendliche | Verfahren bisher nur für Ausbildungsambulanzen |
| SNS | ST (plus andere) | Erwachsene sowie Kinder/Jugendliche | 14.10.2026 |
Darüber hinaus stellte Harfst den praktischen Nutzen der einzelnen Systeme für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten dar und ging auf den jeweiligen Implementierungsaufwand, Kosten sowie bestehende Möglichkeiten der Vergütung ein.
Abschließend beantwortete er die Leitfrage: „Professionseigene Qualitätssicherung – Wo stehen wir heute und welche Ziele verfolgen wir bis 2030?“ Eine breite Implementierung professionseigener QS-Systeme in psychotherapeutischen Praxen kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, wissenschaftlich fundierte und praxistaugliche Alternativen zum G-BA-QS-Verfahren zu etablieren und die QS aktiv aus der eigenen Profession heraus weiterzuentwickeln.
In den kommenden Veranstaltungen der Fortbildungsreihe „Fokus QS“ werden die einzelnen QS-Systeme von ihren jeweiligen Entwicklerinnen und Entwicklern vertieft vorgestellt https://service.opk-info.de/veranstaltungskalender/neue-online-fortbildungsreihe-fokus-qualitaetssicherung/.
Die Veranstaltungen bieten die Möglichkeit, die unterschiedlichen Ansätze kennenzulernen und helfen einzuschätzen, welches Verfahren den Anforderungen der eigenen Praxis und Klinik am besten entspricht.
Die Fachthemen„Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV)“ und „Berufsrecht" auf unserer Website sollen zeitnah durch die „Qualitätssicherung“ ergänzt werden. Hier finden Sie dann auch alle Informationen zu den QS-Systemen sowie die Aufzeichnungen der einzelnen Veranstaltungstermine als on-demand-Fortbildung.
