Pressegespräch in Sachsen: Soziale Medien und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen

Wie kann Kinderschutz in den sozialen Medien wirksam werden? Dieser Frage widmete sich die OPK bei einem Pressegespräch in Dresden.

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V.l.n.r.: Ken Schönfelder, Dr. Sabine Ahrens-Eipper, Cornelia Metge und Moderator des Pressegesprächs Michael Deutschmann

Foto: OPK

Im Mittelpunkt stand das Thema „Soziale Medien: Kinderschutz und Prävention wirksam in den Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen verankern“.

Längst sind soziale Medien für Kinder und Jugendliche mehr als Unterhaltung: Sie sind Lebensraum, sozialer Treffpunkt und zunehmend auch Ort der Gefühlsregulation. Nahezu alle Jugendlichen nutzen heute regelmäßig das Internet (96 %) und das Smartphone (98 %) – mit durchschnittlich 231 Minuten Bildschirmzeit am Tag (JIM-Studie, 2025). Wie OPK-Vizepräsidentin Dr. Sabine Ahrens-Eipper betont, gehören indes auch belastende Inhalte durch soziale Medien zum Alltag von Kindern und Jugendlichen „und auch zum Praxisalltag von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Patienten kommen mit Schlafstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, Depressions- und Angstsymptomen zu uns; Mädchen zusätzlich mit den Themen der Körperunzufriedenheit, Perfektionismus sowie mit Erfahrungen von sexueller Belästigung und Übergriffen durch Kontakte über soziale Medien.“ Eine differenzierte Mediennutzungs-Anamnese gehört mittlerweile zum Handwerkszeug einer jeden Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und jedes –therapeuten. 

Im Durchschnitt warten Kinder und Jugendliche 28 Wochen auf einen Therapieplatz, im ländlichen Raum noch länger.

„Wir müssen die Patienten versorgen können, die bereits erkrankt sind“, betont Cornelia Metge, Vizepräsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). Damit verweist sie auf die Bedarfsplanung, die festlegt, wie viele PsychotherapeutInnen für die Versorgung gesetzlich Versicherter in einer Region vorgesehen sind. Maßgeblich ist dabei das Verhältnis zwischen der Einwohnerzahl und der Zahl der zugelassenen PsychotherapeutInnen. Diese Regelung stammt aus dem Jahr 1999 und bildet den psychotherapeutischen Versorgungsbedarf von heute in keiner Weise ab. „Im Durchschnitt warten Kinder und Jugendliche 28 Wochen auf einen Therapieplatz, im ländlichen Raum noch länger“, stellt die BPtK-Vizepräsidentin klar. Deshalb plädiert die OPK für eine eigene Bedarfsplanung für Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen, um den Herausforderungen der KiJu-Versorgung zukünftig begegnen zu können. 

Die OPK fordert zudem einen altersgestuften Zugang zu gängigen Social-Media-Plattformen: Unter 14-Jährige sollten diese nicht nutzen dürfen. Stattdessen sollten ihnen sichere Alternativen für Video- und Messengerdienste zur Verfügung stehen. Für 14- bis 16-Jährige sollte der Zugang eingeschränkt sein, ab 16 Jahren eine eigenständige Anmeldung möglich werden.

Foto: DDurrich/iStock

„Wir möchten nicht zurück in die Steinzeit, betont OPK-Vizepräsidentin Dr. Ahrens-Eipper. „Es geht nicht ums Verbieten und um gar keinen Zugang, sondern es geht uns um einen geschützten Zugang für Kinder und Jugendlichen zu den sozialen Medien.“

Ken Schönfelder ist niedergelassener Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut aus Auerbach/Vogtland und berichtet zum Pressegespräch von seinen Erfahrungen aus seiner Praxis. „Ich höre oft, dass Kinder und Jugendliche völlig unbegleitet stundenlang am Handy sitzen und den Inhalten schutzlos ausgeliefert sind.“ Er ist auf das Thema Mediennutzung spezialisiert und sensibilisiert als Referent in Schulen und Kindergärten Eltern und Pädagogen vor allem über die Risiken der Mediennutzung. Schönfelder ist es ein großes Anliegen gerade Eltern zu vermitteln, ihre Kinder in der Mediennutzung unbedingt zu begleiten. „Ich meine damit keine reine Verbotskultur, sondern den Gedanken: ich sorge mich um dich und gemeinsam schauen wir uns an, was du im Internet zeitlich begrenzt sinnvoll nutzen kannst.“ Das Aufstellen von Familienregeln sei nützlich. „Ein Anfang könnte sein: Der Sonntag ist für alle bildschirmmedienfrei oder kein Handy am Tisch.“

Die OPK wird ihre Aufklärungsarbeit zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in sozialen Medien fortsetzen und ihre Forderungen in die Bundesländer tragen. Dazu sind weitere Pressegespräche und Informationen für die Öffentlichkeit geplant.

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