„Diese Entscheidung hat eine Grenze überschritten und ich bin sehr wütend darüber.“

Foto: OPK
Die Protestwelle gegen die Kürzungen in der Psychotherapie zieht sich durch ganz Deutschland und gewinnt großen Zulauf. In den OPK-Ländern starteten Städte wie Leipzig, Magdeburg, Chemnitz oder Erfurt mit Demonstrationen, zu denen hunderte Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ihrem Ärger Luft machen. Hier sprachen wir mit den Kolleginnen und Kollegen, was diese Kürzungen ganz individuell für sie bedeuten, mit welchen Ängsten sie in die Zukunft schauen und welche Erwartungen sie dennoch an die Gesundheitspolitik haben.
Anne Brünen, niedergelassene KJP aus Magdeburg: „Ich bedauere die fehlende Wertschätzung für unsere Arbeit sehr. Um diese Honorarkürzungen auszugleichen, müsste ich jede Woche nun noch mehr arbeiten. Dann besteht die Gefahr auszubrennen, gar keine Reserven mehr zu haben. Das sehe ich als schlechtes Vorbild für die Patienten, weil ich denen nahelege, auf die eigene psychische Gesundheit zu achten. Nur bei mir selbst könnte das in den Hintergrund treten. Ich bin heute auf der Demo, weil ich Hintergründe zu dieser Entscheidung hören und meine Unterstützung zeigen möchte.“
Anna Kreßner und Marena Borchert treffen wir auf der Demonstration in Magdeburg. Sie sind aus dem Gebiet Stendal/Altmark angereist. „Es fehlen schon jetzt Therapeuten in unserer Region. Die Wartezeit auf einen Therapieplatz beträgt bereits ein Jahr. Die Überlegung, eine Anstellung in einer Klinik anzunehmen und die Praxis aufzugeben, wird für uns realistischer. Hier hat man eine Sicherheit, was die Bezahlung anbelangt.“

Anna Kreßner (links) und Marena Borchert
Foto: OPK
Auf der Protestaktion in Leipzig sprechen zwei KJP in Ausbildung mit uns. „Wir sind nicht nur in Sorge um uns, sondern in großer Sorge um unsere Patienten. Die Nachfrage nach Hilfe für Kinder und Jugendliche ist so immens groß, dass diese Entscheidung zu Kürzungen einem Todesstoß gleichkommt. Es braucht motivierte Kollegen im KJP-Bereich, die bereit sind, ganz viele Stellschrauben in der Therapie unentgeltlich zu drehen, weil sie schon jetzt nicht vergütet werden. Und nun kommen noch weitere Honorarkürzungen dazu. Wir stehen kurz vor dem Ende unserer Ausbildung zu Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen. Diese Ausbildung hat zirka 30.000 Euro gekostet. Diese Schulden bringen wir also mit bevor wir ins Berufsleben starten. Wir haben auch Familien und Kinder, aber keine Sicherheit, wie unser Verdienst in der Niederlassung aussieht. Wir möchten Kinder und Jugendliche gut versorgen, aber zu fairen Bedingungen.“
Tanya Hamm studiert Psychotherapie und zweifelt durch die Kürzungen an der Richtigkeit ihrer Berufswahl. „Wie wird meine Zukunft aussehen? Ich bin schockiert darüber, dass solche Entscheidungen über unsere Köpfe hinweg fast völlig unbemerkt und leise getroffen werden können. Die psychotherapeutische Versorgung sollte gefördert werden, weil sie Menschen in psychischer Not die Kraft gibt, wieder aufzustehen, ihren Alltag zu bewältigen und zu arbeiten. Diese Entscheidung hat eine Grenze überschritten und ich bin sehr wütend darüber.“

Foto: OPK
Die OPK hat auf ihrer 40. Kammerversammlung in Potsdam eine Resolution gegen die Kürzungen in der Psychotherapie formuliert. Alle Informationen und die Resolution lesen Sie hier.
Außerdem finden Sie einen Bericht zur Demonstration in Magdeburg. OPK-Vizepräsidentin Dr. Sabine Ahrens-Eipper unterstützte die Kolleginnen und Kollegen in ihrem Protest vor Ort.